pg.lost – Oscillate

| 19. November 2020 | 0 Comments
pg.lost

(c) Linn Koch-Emmery

Anspruchsvolle, cineastischer Post Rock mit metallischen Qualitäten, das ist die Spezialität von pg.lost. Das schwedische Instrumental-Quartett legte zuletzt gleich mehrere bahnbrechende Wunderwerke vor, nur um sich auf Studioebene erst einmal ein paar Jahre zurückzuziehen. Drama und Katharsis, so heißt es vorneweg, begleiten die neue Platte „Oscillate“. Die figurative Befreiung aus dem endlosen, erdrückenden Dunkel einer verschütteten Höhle ins hoffnungsvolle Licht breitet sich in acht mächtigen Kapiteln aus.

Für pg.lost geht es um Schönheit und Tiefgang im weiten Feld überproduzierter Studioware. Das Offenlegen zahlreicher Schichten und Emotionen nimmt eine zentrale Rolle ein, so auch in „E22“. Von der ersten Sekunde an bauen die Schweden große Spannungsbögen auf, die mit wuchtigen, durchaus monumentalen Drums kollidieren. Zwischen Soundtrack-Atmosphäre und Aufbruchsstimmung entsteht ein kleines Wunderwerk mit wiederholten Verdichtung. Nicht zum letzten Mal klingt das Keyboard entfernt nach Backing-Vocals, sorgen pointierte Zäsuren für gesteigerte Intensität und bratende, schroffe Wucht hinterher.

Dieses von den bisherigen Releases bekannte Ausnahmelevel hält das Quartett leider nicht komplett, wobei man sich auf hohem Niveau beschwert. So springt der Funke in der abschließenden Fanfare „The Headless Man“ nicht so ganz über. Die plötzliche Lichtwirkung bewegt mit seinen klassischen Post-Rock-Schemata, bloß wird es fast schon cheesy. Von der Übertreibung wegdriftend, bemüht sich „Suffering“ um das Wesentliche. Vereinzelte Melodiesprengsel im kantigen Dickicht spenden Licht am Ende des Tunnels, und doch erdrückt das Leid mit seiner gekonnt schwerfälligen Arrangierung förmlich. Die brachiale Wucht von „Eraser“, der vielleicht metallischste Song dieser Platte, bleibt hingegen sofort hängen. Hier hinterlassen pg.lost Eindruck mit Nachdruck, geben nicht nach und lassen heulende Gitarren im Schlussakt den letzten Nerv rauben.

Nein, die Ausnahmequalitäten der letzten Platten erreicht „Oscillate“ nicht so ganz, denn der große Aha-Effekt zieht sich dieses Mal nicht über die komplette Albumlänge. Von Füllmaterial möchte man dennoch nicht sprechen, denn jeder Song auf dieser neuen pg.lost-Platte greift wunderbar in den nächsten und erzählt eine wundersame, wortlose Geschichte, die zu bewegen weiß. Die Schweden intensivieren die narrative Ebene und bemühen sich mehr denn je um homogene Narrativität. Natürlich geht noch mehr bei pg.lost, doch weiß auch diese kopfhörertaugliche Traumreise zu begeistern.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 20.11.2020
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Website: pglost.com
Facebook: www.facebook.com/pglost

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Category: Magazin, Reviews

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