Vesta – Odyssey

| 15. Oktober 2020 | 0 Comments
Vesta

(c) Marco Mosti Photography

Viareggio, eine wunderschöne Stadt in der Toskana, nur eine halbe Stunde von Pisa und Lucca entfernt. Diese prächtige Ortschaft mit ellenlangen Stränden ist Heimat eines noch gut gehüteten Geheimnisses, denn Vesta haben das Zeug dazu, verdientermaßen durch die Decke zu gehen. Erst vor vier Jahren fand sich das Trio. Man zockt rein instrumentalen Post Rock, der gut und gerne schon mal in etwas härtere Gefilde ausschlägt. Nach einer ersten Talentprobe ist man für den Release des Zweitlings „Odyssey“ nun bei Argonauta Records gelandet.

Die drei Musiker beschreiben sich selbst als Perfektionisten, die mit ihrem ausgefeilten Stil gegen schnelllebigen Musikgenuss zwischen YouTube-Clips und Spotify-Shuffle-Button ankämpfen. Lohnt es sich, ein wenig Zeit und Muße für diese acht Songs aufzubringen? Absolut! „Tumæ“ fasst relativ gut zusammen, worum es in diesen 52 Minuten geht. Vesta malen mit dunklen und hellen Klangbögen aufwühlende bis mitreißende Bilder, setzen epische Flächen mit psychedelischen Untertönen zwischendurch, und gehen in Richtung Tempoverschärfung an Heavy-Grenzen. Dicke, bärbeißige Gitarrenwände und eine virtuose Rhythmusabteilung reißen im besten Sinne mit.

Geschickt fließen diese Songs ineinander und funktionieren dennoch hervorragend für sich. „Temple“ macht recht deutlich vor, wie es geht. Als längster Song dieses Zweitlings bei knapp über acht Minuten bleibt viel Zeit für ausladende, konzentrierte Aufbauten. Ein feines, leicht angeschlagenes Leitmotiv mit forschenden Untertönen wird immer wieder von kurzen, schroffen Passagen etatmäßiger Distortion unterbrochen. Stets wartet man auf die typische Explosion, doch tasten sich Vesta wesentlich filigraner an dieses Konzept heran. Wiederholte Zäsuren, ominöse Effekte und angedeutete Leichtigkeit bereiten auf eine kurze, intensive Wand mit beinahe doomigem Beigeschmack vor.

Am Ende bleibt das betonte Streben nach Perfektion: Vesta suchen und finden ihren ureigenen Post-Rock-Ansatz, der durchaus an frühe Mogwai oder Collapse Under The Empire erinnert, bringen eine angenehme, beinahe wohlige Heavyness mit und versuchen immer wieder am etatmäßigen Genre-Aufbau vorbei zu schreiben. Eine gewisse Unvorhersehbarkeit wird schnell zum willkommenen Begleiter und präsentiert einen vertrauten, zugleich frischen Ansatz. „Odyssey“ wandelt geschickt auf dem idealen Grat zwischen Erwartungshaltung und Eigentümlichkeit mit durch die Bank packenden Tracks – ein spannendes Versprechen für die Zukunft.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.10.2020
Erhältlich über: Argonauta Records

Facebook: www.facebook.com/vesta2017

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Category: Magazin, Reviews

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