Briqueville – Quelle

| 28. September 2020 | 0 Comments
Briqueville

(c) Pelagic Records

Komplette Anonymität und persönliche Distanz bringt unerwartete Vorteile mit sich. So mussten die Mitglieder von Briqueville ihr drittes Studioalbum isoliert für sich fertigstellen, um den neuen Pandemie-Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Für Musiker, die ihre Identitäten geheimhalten und sogar im Proberaum mit Maske und Kutte auftreten, passt das eigentlich prima. Hinter dem Nazgul-Look sollen Mitglieder diverser Jazz- und Metal-Bands stecken, das Mysterium übt zusätzlichen Reiz aus. „Quelle“ ist der Name ihrer neuen Platte und trägt neben der deutschen Bedeutung ebenso das französische „Was“ in sich.

Acht neue Akte, durchnummeriert von VIII bis XV, erschüttern Mark und Bein. Nicht nur aufgrund des Titels auffälig: „Akte X“. Mit Aliens und Übernatürlichem hat der Track nichts zu tun, kommt dafür beinahe auf eine Viertelstunde. Dieses Mehr an Musik nützen die Belgier für ein ausladendes Intro zwischen Drone und Ambient, ziehen den ohnehin bereits etatmäßig ausführlichen Aufbau erst recht in die Länge. Wenn es dann nach knapp zehn Minuten doch noch heavier und verzerrter wird, jubiliert das epische Post-Doom-Herz in all seiner emotional verkappten Kargheit.

Einzelne Kapitel aus diesem Konvolut herauszunehmen, ist und bleibt selbstverständlich schwierig, wohl aber nicht unmöglich. Die düstere Eskalation von „Akte XIV“ zählt zu den Highlights im bisherigen Briqueville-Schaffen. Bedrohliche Schleifen abenteuerlichen Horrors erheben sich, bauen über verschachtelte Drumpatterns Unwohlsein auf. Nach der etatmäßigen Zäsur wird es laut, schwerfällig, geradezu martialisch. Im eröffnenden „Akte VIII“ sind hingegen Synthesizer und Vocal-artige Samples zu hören, es wird bedrohlich und richtig schön hässlich. Als die Stimmung zu kippen droht, ziehen die Belgier massive Wände in verhältnismäßig angriffslustiger Weise hoch.

Große Überraschungen bleiben aus, was für sich wiederum keine Überraschung sein sollte. Längst haben die Maskenträger ihren voluminösen Sound gefunden, der bevorzugt durch schiere Wucht und Intensität zu erdrücken droht. Über weite Strecken ist „Quelle“ die erwartete Meditation über Doom, Drone und Post Metal, unheimlich massiv und kraftvoll. Auf der Suche nach der Unendlichkeit der Klangschleife dringen Verzweiflung, Schmerz und die unendliche Schwere menschlicher Existenz ans Ohr. Wohl bekomm’s.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 02.10.2020
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/briqueville

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Category: Magazin, Reviews

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