Ancst – Summits Of Despondency

| 14. September 2020 | 0 Comments
Ancst

(c) Franziska Lemmor

Kaum eine andere Band zeigte sich in den letzten Jahren so produktiv wie Ancst. Seit ihrer Gründung 2011 sammelte die Band einen stolzen Backkatalog von 23 Releases an, musikalisch überaus abwechslungsreich von ruppigem Black Metal bis zu Dark Ambient. Dabei nehmen die Berliner keinen Blatt vor den Mund, wenn es um Politik und soziale Ungerechtigkeit geht, bemühen sich zudem um vielschichtige, persönliche (Tabu-)Themen. Das neue Album „Summits Of Despondency“ nimmt so ziemlich jede musikalische Phase des Quintetts mit.

„Kill Your Inner Cop“ legt mit vertrauter Intensität und drastischen Gesten los. Die erste Minute – eine Art ausgedehntes Intro – riecht angenehm faulig, dann legen Ancst den imaginären Schalter um und beginnen den infernalen Sprint. Das erinnert schon mal an Heaven Shall Burn und Maroon, trägt aber ebenso Blackened-Core-Elemente in sich, um einen ungefähren Hilfsbegriff zu finden. Auf die vielschichtige Abrissbirne folgt der Vollsprint. „Inferno“ taucht über weite Strecken in faulige, verkrustete Sprints ab mit klarer Black-Metal-Schlagseite, hält zwischendurch immer wieder kurz inne und deutet verkappte Harmonie an.

Überhaupt könnte diese Platte kaum abgedrehter und wahnwitziger sein. Ancst gehen prinzipiell an den Schmerzpunkt und weit darüber hinaus, so auch in „Denazification“. Hinter den pointierten Lyrics verbirgt sich ein musikalischer Wechselbalg, der mit puristischer, roher Black-Metal-Action loslegt, nach und nach das Tempo herausnimmt, und schließlich die Midtempo-Knochensäge kreisen lässt – simpel, aber effektiv. In „Monolith“ taucht zwischendurch butterweicher Frauengesang auf, welcher besagte Dark-Ambient-Elemente heraufbeschwört. Wieder eine Tür weiter arbeitet sich der Zweiteiler „The Burden Of Hope“ durch Hardcore-Motive, hoffnungsvolle Melodik und komplette Zerstörung – ein gekonnt aufgelöster Widerspruch in sich.

„Summits Of Despondency“ könnte das musikalisch kompletteste Werk der Berliner sein. Hier finden Ansätze so ziemlich aller bisherigen Releases zusammen – brutal, brachial, roh, aufwühlend, verzaubert, melodisch, forsch, nachdenklich – und kollidieren mit etatmäßig packenden Texten. Das Ergebnis: ein waschechtes Pulverfass, ruppig und süchtig machend im besten Sinne. Ancst rattern durch die extremere Metalwelt mit wachsender Begeisterung und streuen ganze Salzbergwerke in eitrige Wunden. Liest sich unsympathisch, geht aber im besten Sinne unter die Haut – ein Mammut von einem Wutbatzen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 18.09.2020
Erhältlich über: Lifeforce Records (Membran)

Facebook: www.facebook.com/angstnoise

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Category: Magazin, Reviews

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