Hector Savage – Es sieht nicht gut aus

| 4. November 2019 | 0 Comments
Hector Savage

(c) Midsummer Records

Wenn selbst die eigene Plattenfirma die Phrase „kompromissloses Geballer“ in den Mund nimmt, dann kann man sich auf etwas gefasst machen. Hector Savage dürfte nicht der geläufigste Name sein. Das auf vier deutsche Großstädte verteilte Quartett benannte sich nach dem Schurken aus „Die nackte Kanone 2 1/2“ und trat zuletzt vor sechs Jahren in Erscheinung. Mittlerweile wurde bei den Texten auf Deutsch umgesattelt, zudem zieren bizarre, an Winny Puhh erinnernde Kostüme nun das Antlitz der Musiker. Und doch ist „Es sieht nicht gut aus“ nur der Titel ihres Debütalbums.

Auf den ersten Blick gibt sich der Full-Length-Einstand übersichtlich. Neun Songs, keine 23 Minuten Spielzeit – was ist das schon? Nun, eine ganze Menge, denn die schiere Wucht, mit der Hector Savage förmlich aus den Startlöchern schießen, ringt Respekt ab. Das eröffnende „Nebeljahre“ ist – man kann es kaum anders sagen – fies. Richtig fies. Und unbequem. Eine Art vorgeschobenes Intro baut sich langsam und bedrohlich auf, dann legt das Quartett urplötzlich den Schalter für den ersten von zahlreichen Sprints um. Während die Rhythmusabteilung um durchwegs spektakuläre Dynamik bemüht ist, baut sich zwischen Gitarren und Vocals fieses Störfeuer auf. Es wird quengelig, aggressiv, leicht unkontrolliert. Und das ist nur der Anfang.

In weiterer Folge geht das Quartett bevorzugt dahin, wo es wehtut. Schnell sind die ersten Favoriten ermittelt, darunter „Alles erreicht“. Mit seinen extremen Vocals würde dieser Exkurs stellenweise in Grind-Gefilde abdriften, nur um kurz vom Durchdrehen Richtung Noise, dann gen verhinderte Melodieteppiche gesteuert zu werden. Die eierlegende Wollmilchsau häutet sich gleich mehrfach und spuckt, quasi im Vorbeigehen, das angenehm brachiale „Kulturindustrie“ aus. Der Übergang von der Hoffnungslosigkeit zum Vollsprint durch die Schlammpfütze kommt gut. Bis zum finalen Stakkato von „Laniakea“ hat der Wahnsinn Hochkonjunktur.

Den sprichwörtlichen Weg des geringsten Widerstands gibt es bei Hector Savage nicht, man scheint mit derlei Konzept nicht vertraut zu sein. Gerade das macht ihr Debütalbum so spannend. „Es sieht nicht gut aus“ versieht die etatmäßige Dampfwalze mit in Gift getränkten Spikes und baut den Turbomotor ein. Fiese Hardcore- und Punk-Variationen geben sich die Klinke in die Hand, ungemein erfrischend und sympathisch schmerzvoll dargeboten. Ein gesundes Nervenkostüm wird so und so überbewertet.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 08.11.2019
Erhältlich über: Midsummer Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/hectorsavagetheband

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Category: Magazin, Reviews

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