Lysistrata – Breathe In/Out

| 18. Oktober 2019 | 0 Comments
Lysistrata

(c) Max Chill

Wie abgefuckt kann Kunst eigentlich klingen? Oder ist das doch noch Musik… oder sogar beides? Lysistrata werfen Fragen auf, bevor der erste Ton erklingt. Das französische Trio benannte sich nach einer Komödie aus der griechischen Antike, zeigt sich aber alles andere als altbacken. Post-Hardcore, Noise Rock, Math und Post Rock sind nur einige der Zutaten, die für anspruchsvolle, durchaus progressive und im besten Sinne sperrige Klänge sorgen. „Breathe In/Out“ ist bereits ihr zweites Album.

Der überlange Vorbote „Mourn“ zeigte bereits vor einigen Monaten, wohin die Reise geht. In knapp sieben Minuten zieht das Trio tiefer und tiefer in den Strudel hinab. Dabei beginnt der Track unscheinbar und stimmungsvoll, bevor die abgefuckte Laut-Leise-Dynamik zwischen kauzigem Sperrfeuer und melancholischer Idylle alles abruft. Das klappt übrigens auch in „Against The Rain“ prima. Lysistrata legen in media res los, stimmen einen kleinen Gummitwist an und mischen filigranere Klänge hinzu. Das erinnert im besten Sinne an Scraps Of Tape, vielleicht sogar an chilligere At The Drive-In.

Wie sich die einzelnen Tracks nach und nach entblättern, fasziniert und verstört zu gleichen Teilen. Der aggressive Start von „Boon On A Thistle“ lässt kaputte Wut und ungezügeltes Chaos vermuten. Tatsächlich bleibt es über weite Strecken ungemütlich, doch schaffen es mit der Zeit weniger zappelige Elemente an die Oberfläche. Dennoch, die Luft brennt, und das gilt auch für „Different Creatures“ mit seinen kleinen City Light Thief-Exkursen. Die Stimmung ist aufgeladen, der Wahnsinn greifbar, und doch wissen filigrantes Melodiepartikel zwischendurch zu bewegen. Dass der Rausschmeißer „Middle Of March“ schlussendlich in noisigem Chaos versinkt, passt ins Bild.

Fans von Cursive sollten ab der ersten Note zugreifen. Lysistrata zelebrieren große Kunst, ohne auch nur einen Hauch von Musikalität vermissen zu lassen. „Breathe In/Out“ ist unzugänglich und brennt sich doch ein, weil die kruden und plötzlichen Tempo- und Genrewechsel unter die Haut gehen, weil selbst der sperrige Moment emotional behaftet ist. So und nicht anders hat noisiger Post-Hardcore zu klingen – eine weitere Talentprobe der jungen Franzosen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 18.10.2019
Erhältlich über: Grand Hotel van Cleef (Indigo)

Facebook: www.facebook.com/lysistratatheband

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Category: Magazin, Reviews

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