Insominum – Heart Like A Grave

| 4. Oktober 2019 | 0 Comments
Insomnium

(c) Jussi Ratilainen

Ein Song – ein Album: Das riskante Unternehmen „Winter’s Gate“ war im Herbst 2016 ein voller Erfolg für Insomnium. Wie nur wenige Bands vor ihnen, nahmen die Finnen eine fantastische One-Track-Platte auf und krönten damit ihr Schaffen. Etwas schwieriger gestalteten sich allerdings die Live-Aktivitäten. Gitarrist Ville Friman konnte die langen Tourneen kaum mit seiner Tätigkeit als Uni-Dozent vereinen, blieb aber an Bord. Dafür ist mit Jani Liimatainen (u.a. The Dark Element, ex-Sonata Arctica) nun ein dritter Saitenhexer an Bord. Mit vier Songwritern und einem durch 22 Bandjahre geschärften Urverständnis für die Musik entstand „Heart Like A Grave“.

Genau diese Mischung aus Erfahrung und zusätzlicher Tiefe bekommt man während der folgenden Stunde zu spüren. Klar, nach einem Ein-Song-Album muss nun das XL-Format bemüht werden. Insomnium schwingen sich zu Grenzgängern auf, können das aber auch. Die Tracks sind über jeden Zweifel erhaben. Mit seinen neun Minuten darf „Pale Morning Star“ durchaus als Herzstück der Platte durchgehen. Tatsächlich bringt das Epos alles mit, was die Finnen großartig macht, auf die gesamte Karriere gesehen. Der wütende Melodic Death Metal ist da, die nachdenkliche Melodik, puristische Düsternis, doomige Schwere, ja sogar die brachiale Extreme des letzten Albums; und dann greift alles ineinander. Niilo Sevänen diktiert das Geschehen am Mikrofon und holt alles aus seinen Stimmbändern heraus, sogar verstörendes Geflüster.

Es ist das Album der Übertracks geworden, und da darf der Titelsong „Heart Like A Grave“ natürlich nicht fehlen. Das Quintett hangelt sich über ein semi-akustisches Intro in diese zunächst gemächliche Monstrosität, die mit bleierner Wucht und melancholischem Klargesang im Refrain sofort ins Herz trifft. In der epischen bis brachialen zweiten Hälfte geht es schließlich an die Substanz. Zu gemächlich? „Valediction“ fährt mit sympathischer Vehemenz aus den Boxen, schraubt die Schlagzahl sogleich in die Höhe und lässt schließlich packende Melodiebögen vom Stapel. Als kleiner Bruder entpuppt sich zumindest eine Halbzeit lang „The Offering“, dann wird es nachdenklich und sogar – wenngleich nur für kurze Zeit – beinahe balladesk. Selbst die instrumentale Königsdisziplin in Form des ellenlangen Rausschmeißers „Karelia“ ist alles, nur keine Herausforderung.

Insomnium müssen sich nicht zur Decke strecken, sie überspringen etwaige Hürden mit außerordentlicher Leichtigkeit. Vom kreativen Erfolg ihres Überalbums hörbar gestärkt, folgt gleich der nächste Dampfhammer. „Heart Like A Grave“ wirkt stellenweise wie ein Streifzug durch das bisherige Schaffen des Quintetts. Das erweiterte Line-up bekommt den Finnen gut, die Mischung aus ruppiger Härte und epischer Melodik passt besser denn je. In ihrem Bereich sind Insomnium aktuell unangreifbar. Ein weiterer Kandidat für die Jahres-Bestenlisten untermauert das eindrucksvoll.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 04.10.2019
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)

Facebook: www.facebook.com/insomniumofficial

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Category: Magazin, Reviews

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